[Diskussion] Kimono als Nichtjapaner und Cosplayer – No Go zum Hanamifest?

Diskussionen über Themen wie unterschiedliche Rassen, deren Kleidung und ihre Bedeutung überlasse ich im Normalfall anderen. Nicht, weil es bequemer ist, nein, mir fehlt schlichtweg das dafür notwendige Wissen. Zudem sorgen diese Themen immer wieder für hitzige Diskussionen, teilweise mit unschönem Ausgang.

Foto: Pixabay


Was brachte mich dazu meine Meinung zu ändern?


Kurzum: das jährliche Hanamifest, auch bekannt als Kirschblütenfest. Ursprünglich aus Japan stammend, ehrt dieses Fest die Schönheit der viel zu kurzlebigen Kirschblüte. Familien, Freunde und Arbeitskollegen treffen sich zu einem Picknick. Sie entspannen sich und ziehen sich für einen Moment aus dem Alltag zurück. Doch nicht nur die zarte Kirschblüte wird gefeiert, ebenso der Übergang von Winter zu Frühling.

Genau dieser Zauber ist seit einigen Jahren in Deutschland heimisch, wird hier jedoch etwas anders ausgelebt. Selbstredend, der Grundgedanke bleibt, jedoch bedeutet Hanami in Deutschland nicht nur Blütengenuss. Japanische Speisen, Showacts (Kampfsport, Chor, traditionelle Tänze), diverse Stationen mit typisch japanischen Spielen, Workshops – die Besucher werden im kleinen Rahmen unterhalten. Wichtig dabei: die Verbindung zur Kultur Japans durch die einzelnen Elemente.

Viele Festbesucher nutzen die Gelegenheit, um sich in Kimonos oder generell traditioneller japanischer / chinesischer Kleidung zu zeigen. Nicht, weil im Kleiderschrank gähnende Leere herrscht, sondern um ihren Respekt auszudrücken und das Fest selbst zu würdigen. Dabei achten sie auf Farben, wie etwas gebunden werden muss und was man besser sein lassen sollte. Nicht selten wird Traditionskleidung vom Veranstalter ausdrücklich gewünscht und ist mit ermäßigtem Eintritt verbunden.

Allerdings löste genau dieser Wunsch (Kimono tragen, wenn einer vorhanden wäre) eine Diskussionsschlacht aus, die mit der Löschung des Kommentars endete. Schade, dass nicht jeder in der Lage ist auf Bitten des Veranstalters Rücksicht zu nehmen und es an mir als Poster liegt ein gutes Beispiel abzugeben.

Foto: Grün Berlin


Die Schlacht begann mit „Das ist gut so! Du bist weiß. Lass die Finger davon. Ihr müsst euch nicht alles aneignen.“


Ok, abgesehen von der Tatsache das auch Asiaten weiß sind bzw. es im asiatischen Raum wie überall diverse Hautfarben gibt, woher kommt der Gedanke? Nur weil jemand sich einem Fest entsprechend kleidet, eignet er sich etwas an? Per Definition würde es bedeuten, dass ich damit etwas stehle bzw. davon Besitz ergreife und für mich beanspruche.

Ich persönlich erkenne nichts davon in dem Wunsch einen Kimono tragen zu wollen. Ich sehe es als Zeichen des Respektes gegenüber traditioneller Kleidung an. Es ist meine Art zu zeigen, dass mich nicht nur ein Aspekt meines Lieblingslandes interessiert. Jedes Land, egal welches, besteht schließlich aus so viel mehr. Übrigens, in Japan ist es, man höre und staune, völlig normal Kimonos an Nichtjapaner zu verleihen. Dabei wird einem sogar beim Anziehen geholfen. Niemand fragt zudem Zeitpunkt nach der Hautfarbe oder anderen Dingen. Einzig der Respekt gegenüber der Tradition versteht sich an der Stelle von selbst. Laut eigener Recherche ist ein solcher Verleih auch in Deutschland möglich.

Die kommenden Worte der Gegenpartei erspare ich euch an der Stelle, da diese immer weiter unter die Gürtellinie gingen und vor Unverständnis triften. Nicht zu vergessen diverse Fachbegriffe und Fremdworte, die ich zu dem Zeitpunkt noch nie gehört hatte. Versteht mich nicht falsch, ich streite deren Existenz und Korrektheit nicht ab, doch täuschten sie nicht darüber hinweg, dass das eigentliche Thema für sie unwichtig war und eigentlich nur eines zählte: Du hast Hautfarbe X, du gehörst zur Gruppe X – Vorhaben Y ist rassistisch und nicht tolerierbar.

Foto: Pixabay

Doch wieso wird gleich alles als Angriff verstanden?


Ich verstehe durchaus überschäumende Reaktionen, wenn jemand bewusst verarscht wird. Oder wenn man in Gegenden mit Kleidung X rumgelaufen wird obwohl ausdrücklich davor gewarnt wird. Ebenso habe ich Verständnis, wenn jemand beispielsweise bewusst ignoriert welche Farben nicht gehen. Ich habe jedoch kein Verständnis, dass pauschal der Stinkefinger gezeigt wird ohne die Hintergründe zu erfragen. Im Normalfall steht hinter jedem Verhalten ein Grund. Ob der für einen selbst plausibel ist, steht auf einem anderen Blatt.

Bezogen auf Kimonos / Traditionskleidung zum Hanamifest in Deutschland, bedeutet es im vorliegenden Fall nicht, dass ich mir irgendwas aneignen möchte. Es bedeutet lediglich, dass ich mich unterordne und ins Thema des Festes einfüge. Ich zeige dem Veranstalter, dass ich seine Arbeit honoriere. Dabei ist mir bewusst, dass gerade im Bereich Kimonos vieles schief gehen kann. Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen, Farben haben ihre Bedeutung, Obis müssen auf eine bestimmte Weise gebunden werden und … und …Es versteht sich von selbst, dass besonders bedeutungsschwere Aspekte nicht angerührt werden. Dies gilt für jegliche Kleidungsstile.

Foto: Sai1 (Cosbase)
Cosplay: Olaf Gijinka (Jemo Kohiri / FB)


Ebenso kam im Zusammenhang mit dem Hanamifest die Frage auf inwiefern Cosplayer (Cosplay = Kostümspiel) Teil des Festes sein sollten.


Noch mal zum Verständnis: Das Hanamifest ehrt Dinge wie die Kultur Japans, japanische Speisen, Japans Mentalität und die Lebensweise. Es steht nicht für Massen an Cosplayern in unpassenden Kostümen oder gefühlt hundertemale Charakter X.


Ich stimme dem an sich zu, aber zeugt es von Respekt Japan auf eine Sache zu reduzieren?


In meinen Augen nicht, da Cosplay nur einen kleinen Teil für sich beansprucht. Japan besteht nicht nur aus Cosplay, hier in Deutschland noch weniger. Sicher, Cosplayer sind nicht mehr wegzudenken, aber bilden bei Hanamifesten eine Minderheit. Die Menge der regulären Besucher überwiegt. Meiner Erfahrung nach achten Cosplayer zu speziellen Anlässen besonders stark darauf WELCHE Cosplays sie tragen. Sie machen sich Gedanken darüber was sich verbinden lässt. Bezüglich gefühlt hundertemale Charakter X – Pech gehabt. Es wird immer wieder Serien / Charaktere geben, die verstärkt auftreten, weil der Hype um sie gerade übergroß ist.

Ich verstehe das Argument, dass nicht jeder Cosplayer mag und ein Problem damit hat, sie in Massen zu erblicken. Ich verstehe jedoch nicht, dass man ihnen deswegen das Recht aberkennen will solche Feste zu besuchen oder ihnen unterstellt andere würden keine Aufmerksamkeit bekommen. Oder das dadurch gar der eigentliche Sinn des Festes in den Hintergrund rückt. Klar, alles was anders ist, wird genauer betrachtet, allerdings funktioniert das mit sehr vielen Dingen. Es ist und bleibt ein legitimes Recht des Veranstalters mit einzelnen Besuchergruppen gesondert zu werben oder ihnen gesonderte Konditionen anzubieten. Es beweist, dass Cosplay (wahlweise andere Stile, Gruppen, etc.) ankommt und die Veranstalter genau das respektieren.

Apropo Respekt, damit wären wir beim Grundthema angelegt: Respekt gegenüber anderen Kulturen, Kleidungsstilen, etc. Es versteht sich von selbst, dass nicht alles überall ratsam ist, aber es spricht nichts dagegen sich auf ruhige Art und Weise dem Thema zu nähern. Es steht jedem zu sich zu informieren und unabhängig von der eigenen Hautfarbe in passender Kleidung ein Fest zu besuchen.

Abschließend möchte ich euch folgendes ans Herz: Es ist ok anderer Meinung zu sein, aber bitte hört auf in allem ein Rassenproblem zu sehen. Bleibt bei euren Diskussionen auf dem Teppich und lenkt nicht vom eigentlichen Thema ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.